Dachbegrünung Vortrag von Dr. Beate Alberternst
(Foto: BUND OV Bad Nauheim/Friedberg)
Die Auswirkungen des menschgemachten Klimawandels werden zunehmend spürbar: Starkregen, Hochwasser, Hitze und ausgeprägte Trockenphasen nehmen auch bei uns in den letzten Jahren deutlich zu.
weiterlesen ► BUND OV Bad Nauheim/Friedberg
Hier geht es auch zu einem YouTupe Video vom Vortrag
Was können wir tun, um mit dieser neuen Situation umzugehen? Um dieser Frage nachzugehen hat die Stadt Bad Nauheim in Kooperation mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) am 15. Mai 2024 interessierte Bürger zu einer Informationsveranstaltung ins Alte Rathaus der Stadt Bad Nauheim eingeladen.
Dort stellte der Klimaanpassungsmanager der Stadt Bad Nauheim Oliver Jenschke die Ideen und Konzepte der Stadt vor. Aktuell wird eine Stadtklimaanalyse erstellt, auf deren Basis ein Klimaanpassungskonzept entwickelt wird.
Eine Möglichkeit das Stadtklima positiv zu beeinflussen stellen Dachbegrünungen dar. Hierüber berichtete Dr. Beate Alberternst vom Botanischen Garten der Stadt Frankfurt. Dachbegrünungen halten Niederschläge zurück und entlasten damit die Kanalisation von größeren Wassermengen. Sie verbessern im Winter die Wärmedämmung des Gebäudes, schirmen im Sommer Hitze ab und wirken so wie eine natürliche Klimaanlage.
Strukturreich angelegte Dachbegrünungen bieten darüber hinaus auch Tieren und Pflanzen einen Lebensraum. Ein Team aus Biologen, Gartenbauingenieuren und Gärtnern am Botanischen Garten Frankfurt, zu dem auch die Diplom-Agrarbiologin Beate Alberternst gehört, befasst sich mit der Frage, wie Dachbegrünungen arten- und strukturreich angelegt werden können. In dem von der KfW Stiftung geförderte Projekt „Lebendige Dächer“ werden in Versuchsanlagen einheimische Arten auf ihre Eignung als „Dachpflanze“ getestet. „Unter den Testarten sind auch seltene und gefährdete Pflanzenarten wie z.B. der Quirl-Knäuel“, berichtet Alberternst. „Aber auch Trauben-Hyazinthen und das Wilde Stiefmütterchen können auf Dachflächen wachsen“.
Dachbegrünungen werden häufig strukturarm und mit wenigen Arten von Dickblattgewächsen angelegt. Oft lassen sich bei der Dachbegrünung schon mit einfachen Mitteln die Lebensbedingungen für Tiere und Pflanzen verbessern. „Basis ist die Herstellung einermöglichst kleinräumigen Vielfalt verschiedener Standortbedingungen durch Verwendung unterschiedlicher Materialien wie Sand, Schotter, Steine, Lehm und Totholz“, betont Alberternst. Idealerweise werden Dachbegrünungen gleich beim Neubau als Biodiversitäts-Gründächer angelegt. Hierzu wurden im Rahmen des Projektes am Botanischen Garten Strategien zur ökologischen Wertsteigerung von Dachbegrünungen entwickelt. Die Methoden wurden auch in der Praxis getestet, z.B. auf einem Dach im Friedberger Begegnungsgarten.
Ein erfolgreiches Praxisbeispiel stellte auch Dr. Martin Düvel vor, der auf seinem Garagen-Dach mit Unterstützung des Botanischen Gartens ein Biodiversitäts-Upgrade verpasst hat. Er ist vom Ergebnis der Aufwertung begeistert.
Die Vorträge wurde vom BUND-Mitglied Thorsten Stefan Otto gefilmt und werden demnächst auf die Homepage des BUND Bad Nauheim-Friedberg gestellt.
Als Folgetermin findet am 19. Juni 2024 die Besichtigung des Biodiversitäts-Daches im Begegnungsgarten Friedberg statt. Treffpunkt ist um 20.00 Uhr am Eingang des Begegnungsgartens bei den 24 Hallen neben der Kinderfarm Jimbala.