Umspannwerk Reichelsheim

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„Zum Umspannwerk Reichelsheim“ die richtigen Fragen stellen

Reichelsheim - 18. August 2025

Kaum wurden Pläne für ein riesiges Umspannwerk der Stromnetzfirma TENNET im Raum Reichelsheim bekannt, gibt es große Aufregung. Zurecht – meint der BUND, denn es ist überhaupt nicht klar, wozu dieses Projekt benötigt wird.

Der Kreisvorsitzende des BUND Wetterau, Dr. Werner Neumann, befasst sich seit über 10 Jahren intensiv mit der Ausbauplanung der bundesweiten Stromnetze. Daher kennt er die vielfältigen Unterlagen, den Szenariorahmen, die Netzentwicklungspläne und die Genehmigungsunterlagen. Es geht eigentlich um die Verstärkung der Stromleitung von Gießen nach Karben. Dort sollen Hochtemperaturseile eingezogen werden, die höher ausgelastet werden können. Dieses Vorhaben trägt die Nummer P 211, Maßnahme 434, Bundesbedarfsplan Nummer 65.

Dabei hat er herausgefunden, dass das „Umspannwerk mit zwei 380 kV/110kV-Transformatoren“ erst im Netzentwicklungsplans (NEP) 2037/2045 aus dem Jahr 2023 (NEP) auf Seite 585 der Projektsteckbriefe erwähnt wurde. Im vorhergehenden NEP 2035 aus dem Jahr 2021 war es im Anhang (Seite 519) nicht erwähnt worden. In den letzten zwei Jahren hat TENNET darüber niemanden informiert.

Eine Begründung, warum nun im „Such-Raum Friedberg / Bad Nauheim / Reichelsheim / Wölfersheim“ dieses Umspannwerk gebaut werden soll, ist im Netzplan nicht zu entnehmen. Der BUND fordert daher, dass zunächst die Notwendigkeit der Maßnahme als solche fachlich begründet wird, zumal wie Neumann anmerkt, das Umspannwerk so heimlich in die Planung eingefügt wurde, dass man die Veränderung nicht einfach bemerken konnte. Erst wenn diese Frage geklärt sei und gegen Alternativen abgewogen wurde, könne es darum gehen, einen konkreten Standort zu finden. Dabei müssen alle möglichen Standorte gemäß den Regeln der Umweltverträglichkeitsprüfung verglichen werden. Dazu gehört die Untersuchung der Wirkungen auf den Naturschutz (Wiesenweihe, Feldhamster, Feldlerche, Rebhuhn, usw.) ebenso wie die Frage, dass wertvolle Böden vernichtet werden und ob diese, wie in Reichelsheim auch vom Ökolandbau genutzt werden, der sich nicht einfach verlagern lasse.

Der BUND weist daraufhin, dass gemäß seinen Untersuchungen der Netzentwicklungsplan ohnehin überarbeitet werden muss. Denn die Netzbetreiber, wie AMPRION und TENNET haben entgegen gesetzlicher Vorschriften keine Kappung von Einspeisespitzen angesetzt. Neumann: Der Plan geht davon aus, dass auch die letzte Spitzenleistung aus Wind oder Sonne übertragen werden muss. Daraus ergibt sich eine immense Überdimensionierung des Netzplans. Die Leitung Gießen-Karben ist auch eine Parallelleitung für die geplante Erdkabelleitung Rhein-Main-Link, falls diese ausfallen sollte. Nun stellt sich heraus, dass der Ausbau der Offshore-Windenergie das Ziel von 70 GW nicht erreichen wird und die Windräder in der Nordsee deutlich weniger Strom liefern werden, da sie sich gegenseitig den Wind wegnehmen. Neumann: Was der BUND seit Jahren fordert, nämlich mehr Windenergie im Süden Deutschlands ausbauen als in der Nordsee, bestätigt der Szenarien-Report des Forschungsprojekts ARIADNE. Dieses zeigt, dass dezentrale Strommärkte und Windenergie aus dem Süden etwa 100 Mrd. € der 300 Mrd. € Ausbaukosten der Übertragungsnetze sparen könnten – mit weitaus weniger Leitungen. Dass sei auch notwendig, um die durch den Netzausbau explodierenden Netzentgelte im Zaum zu halten und die Umwelt zu schonen, so der BUND (www.bdev.de/netz25)

Der BUND Hessen fordert daher in seiner vor einem Jahr vorgestellten „Hofheimer Erklärung“ einen Neustart der Netzplanung, denn die bisherigen Voraussetzungen der Planung haben sich verändert. Und erst dann, stellt Neumann fest, wird man sehen, ob und wo und wie ein Umspannwerk mitten in der Wetterau wirklich erforderlich ist.

Info:

Die Stellungnahmen des BUND und Alternativen zur Netzplanung: www.bund.net/stromnetze

Hofheimer Erklärung 2024:

www.bund-hessen.de/klimaschutz-energiewende/stromnetzausbau/rhein-main-link/hofheimer-erklaerung/

Übersichtsartikel des Bund der Energieverbraucher. www.bdev.de/netz25

Unterlagen zu den Netzentwicklungsplänen: www.netzentwicklungsplan.de/archiv

Rückfragen an:

Dr. Werner Neumann, BUND Kreisverband Wetterau, Vorsitzender

Tel.: Mobil 0172 – 6673815

E-Mail: werner.neumann(at)bund.net


Stromtrasse Rhein-Main-Link Ausbau um Butzbach/Rockenberg

Rhein-Main-Link Antragskonferenz in Butzbach am 29.August 2024

Stellungnahme zum Rhein-Main-Link Ausbau Stellungnahme zum Rhein-Main-Link Ausbau  (Grafik: Peter Hünner (BUND OV Münzenberg))

Wetterau - 3. September 2024

Zu den Natura 2000- Gebieten habe ich soeben mal den Trassenkorridor mit den Schutzgebietsdarstellungen im Bürger-GIS des Wetteraukreises https://gis.wetterau.de/GISWetterau/synserver?client=core&project=GISNatur&view=Landschaftsschutzgebiete&x=490692,55&y=5577788,65&scale=300000 abgeglichen und muss feststellen, dass im gesamten Korridorverlauf innerhalb des WK kein Naturschutzgebiet und kein Natura 2000-Gebiet (FFH-Gebiet oder europäische Vogelschutzgebiet) tangiert wird.

Die Auenquerungen der Wetter und des Seitentals (Hühnerwiesen) nörd-östlich von Trais, sowie der Talboden der Wetter westlich von Rockenberg-Oppershofen sind „nur“ Teil des Landschaftsschutzgebiet „Auenverbund Wetterau“ und gehören somit nicht zur Natura 2000-Gebietskulisse.

Dennoch leben im 250 m Trassenkorridor etliche Arten, die nach Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie, Anhang 2 und 4 geschützt sind, sowie Vogelarten nach der Vogelschutzrichtlinie und es finden sich geschützte Lebensräume nach Hessischem bzw. Bundesnaturschutzgesetz.

Im Raum Trais und Münzenberg sind mir aus den letzten Jahren bekannt und aufgefunden:

Biber an der Wetter zwischen Trais und Neumühle (flussaufwärts Richtung Muschenheim)

2 Rotmilanhorste: 1 am Waldrand am Rande des Trassenkorridors, daneben steht eine 80-100 jährige Elsbeere.

Der 2. Horst lag mitten in Trassenkorridor auf 1 großen Weidenbaum direkt an der Wetter. Diese Horstbaum ist leider vor 2 Jahren im Gewittersturm auseinander gebrochen.

In den Hühnerwiesen bei Trais liegen 2 aufgelassene ehemaligen Fischteichanlagen, die heute wichtige Biotopfunktionen erfüllen und nur mäßig von privat zu Freizeitzwecken genutzt werden (Grillen, Baden). Dort habe ich in den letzten Jahren Ringelnatter, Blindschleiche, Wechselkröte, Erdkröte, Grasfrösche und Grünfrösche gefunden. Sowie verschiedene Fledermausarten fliegen am Waldrand und um die Teiche.

In diesem Seitental der Wetter gibt es Röhrichte, Nasswiesen und Kleinseggenriede. In den Wintermonaten steht hier das Grundwasser bis Oberkante und kann nur mit Gummistiefeln passiert werden. Auf meine Nachfrage hin, soll auch durch die Auenbereiche in offener Bauweise gebaut werden. Das würde bedeuten, das das Grundwasser während der Bauphase ständig in großen Mengen abgepumpt werden müsste. Als Baufortschritt wurde angegeben, 1500 m in 3 Monaten bei offener Bauweise.

Weiterhin besteht die Gefahr, das bei 2m bis 2,2 m Bautiefe die sperrenden Tonschichten und Gleye durchschnitten werden. Sie verhindern ein Versickern des eingestauten Grundwassers in tiefere Bodenschichten.

Südlich der Hühnerwiesen liegt ein Kiefernhügel als Trockenstandort und Magerrasen im Korridor.

Neben der Zauneidechese leben auch seltene Pflanzen wie Feldmannstreu, Mannsschild, Heide- und Kartheusernelke, sowie Dornige Hauhechel. Weiter südlich liegt ein alter, aber gepflegter hochstämmiger Streuobstbestand.

Hier lebt der Steinkauz.

Weitere Vogelarten im oder der Nähe des Korridors sind, zahlreiche Weißstörche, Blesshühner, Gänsesäger, Graureiher, Silberreiher, Sperber, Habicht, Turmfalke und diverse Singvogelarten.

Für den Raum Butzbach hat Matthias Gall mit seinem Planungsbüro im Auftrag der Stadt Butzbach, die wichtigsten Artenvorkommen und geschützte Biotopstrukturen im geplanten Trassenkorridor in einer Karte zusammengestellt. Diese Karte ist im Anhang beigefügt. Nach Anfrage bei Herrn Bgm. Merle der Stadt Butzbach dürfen die Daten auch für die BUND-Stellungnahme verwendet werden.

Da durch die besonderen Bestimmungen des Energiewirtschaftsgesetzes für dieses Planfeststellungsverfahren keine Umweltverträglichkeitsprüfung und keine Artenschutzprüfung nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz erforderlich sind, werden durch den Vorhabensträger keine flächendeckenden Artenerhebungen im Trassenkorridor durchgeführt.

Wie sollen dann die relevanten Arten der FFH-Richtlinie und der Vogelschutzrichtlinie überhaupt erkannt werden? Sie können nicht nur auf Zuruf von Ortskundigen, Naturschutzverbänden und Naturschutzbehörden im Verfahren berücksichtigt werden. Sondern diese Anhang II, IV und V-Arten müssen in ihrer Population und dem benötigten Lebensraum erhalten werden.

Wenn ich an die paar Wechselkröten denke, die es hier noch gibt oder die ganzen Aufwendungen zum Feldhamsterschutz, der dadurch mit einigen Bauen im Raum südlich Nieder-Weisel und Ostheim im Trassenkorridor noch vorkommt, wie sollen sie geschützt werden, wenn sie nur durch Ortskundige Amprion bekannt gemacht werden.

Die Artenschutzthematik nach europäischem Recht und den aufgeweichten Anforderungen des Energiewirtschaftsgesetzes ist sicher noch eine spannende und interessante Aufgabe für die Juristen des BUND.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Konferenz  war die Aussage von Amprion einen Alternativkorridor im Raum Münzenberg – Butzbach zu prüfen, genauer gesagt 2 Möglichkeiten:

1 Trasse westlich von Butzbach in größeren Teilen durch den Butzbacher Stadtwald, was natürlich große Waldverluste mit sich bringt und eine 2.Alternative in Trassenbündelung mit der A5 östlich der Autobahn entlang.

Diese Überlegungen erwachsen aus den vielen Hinweisen zu archäologischen Verdachtsflächen im Raum Münzenberg – Rockenberg – Butzbach, so das Amprion hier weitere Kosten für Notgrabungen und zeitlich Verzögerungen befürchtet.

Gleichzeitig könnte so die Durchschneidung der Siedlungsentwicklung von Rockenberg mit Oppershofen umgangen werden.

Am besten wäre es, keine weiteren Off-Shore Windparks in Ost-und Nordsee zu bauen, Bayern erbringt endlich seinen Anteil zur Erzeugung von WK-Strom und überschüssiger Strom im Norden, wird zur Erzeugung von Wasserstoff eingesetzt. Somit bräuchten wir deutlich weniger Gleichstromverbindungen von Nord nach Süd und dort, wo sie unbedingt notwendig sind, auch als Freileitung in Trassenbündelung mit bestehenden Freileitungen zu errichten.

Peter Hünner (Vorsitzender BUND OV Münzenberg)

Last uns nicht Boden-los werden

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