Wegwerfblumen – der Verlust der Jahreszeiten

Sonnenblumen an Weihnachten, Targetes im Februar, Astern im März, alles ist machbar, was kümmern uns die Jahreszeiten. Bei Obst und Gemüse ist es schon normal, Erdbeeren, Tomaten und Spargel im Winter, zwar etwas teurer, aber wir müssen auf nichts verzichten. Die Blumen ziehen nach bzw. die Blumenindustrie kennt keine naturgegebenen Grenzen.

Doch tun wir uns damit einen Gefallen? Die Winter können lang sein, der Wunsch nach Licht, Sonne und Farben wächst in uns, da bringen bunte Blumen Freude und gute Stimmung. Viele greifen daher nach den farbenfrohen Treibhausgewächsen. Wenn dies vereinzelt geschieht, ist dagegen sicher nichts einzuwenden, aber wenn aus unseren Gärten langsam die alten einjährigen Blumen, die langlebigen Stauden und Zwiebeln verschwinden, die natürlicherweise zu ganz bestimmten Zeiten blühen, dafür aber Massenware Einzug hält, wird es für die Natur, aber auch für uns Menschen bedenklich.

Immergrüne, also das ganze Jahr über gleichaussehende Pflanzen und im Treibhaus vorgezogene Blumen, die kurz blühen, dann ausgetauscht, also weggeworfen und durch neue, ebenso kurzlebige, ersetzt werden, mögen den menschlichen Ordnungssinn befriedigen und pflegeleicht sein, mit Lebens- und Sinnesvielfalt haben sie nichts zu tun, ist der nächste Schritt der Plastikgarten? Ganz abgesehen davon, dass diese Pflanzen mit hohem Energie-, Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz erzeugt werden.

Der Frühling kündigt sich mit großen Veränderungen in der Natur an. Büche setzen Grün an, erste Gehölze blühen und nach den Christrosen, Schneeglöckchen und Krokussen erfreuen uns die Narzissen, frühen Tulpen, Annemonen und Primeln - Stauden oder Zwiebeln, die seit Jahrhunderten Inbegriff des Frühlings sind und bei Älteren wahrscheinlich auch Erinnerungen auslösen. Jedes Jahr kommen sie wieder, oft üppiger als zuvor und bald wird alles grün sein. Der Frühling, etwas ganz Besonderes, hat begonnen. So folgt eine Jahreszeit der andern mit ihren typischen Formen und Farben, ein ständiges Kommen und Gehen, für viele, die genau hinsehen offenbart sich eine Fülle von Leben, Gerüche, Farben, Töne und Interessantes im Kleinen. Die Blüten sind nur ein Teil der Natur, von ihnen abhängig sind andere Lebewesen, wie Insekten und Vögel, deren Nahrungsgrundlage sie sind. Verbannen wir die Pflanzenvielfalt aus unseren Gärten, verbannen wir auch die Tierwelt. Dieses Wissen um die natürlichen Zusammenhänge geht uns langsam verloren – oder wie kommt es, dass Lehrer Kinder im März in Gärtnereien schicken, um Margeritenblüten für den Unterricht zu besorgen?

Mai
Oktober


Ihre Spende hilft.

Suche