BUND Kreisverband Wetterau fördert das Projekt Klimaexperten in Grundschulen

Die Kinder waren begeistert. „So eine geile Sachkundestunde gab es noch nie“, jubelte Areef. Dabei ging es um eine gewichtige Thematik: Energiesparen und Klimaschutz in der Grundschule.

Nachdem der BUND Kreisverband Wetterau sich genau über das Projekt informiert hatte, stand für ihn schnell fest: hier können wir sinnvoll und nachhaltig unterstützen. Worum geht es? Der Wetteraukreis beschloss vor drei Jahren ein Klimaschutzkonzept (bis 2020 soll der Energieverbrauch in den von ihm bewirtschafteten Gebäuden um 30% reduziert werden), in das auch die Schulen mit einbezogen werden sollen und die Schülerinnen und Schüler zu „Klimaexperten“ ausgebildet werden. Die Klimaschutzbeauftragte des Kreises Frau Voss und Herr Joachim vom BUND OV Rosbach, der auch im Vorstand der Beratungsstelle für ökologische Bildung tätig ist, entwickelten dazu ein überzeugendes Konzept.

Das Konzept

Zunächst finden pro Klasse drei Unterrichtseinheiten (jeweils eine Doppelstunde) zu folgenden Schwerpunkten statt: Klima, Klimawandel und Energie, deren Durchführung der BUND KV Wetterau ermöglicht.

Im Vorfeld stimmen die Umweltpädagoginnen, die die Stunden mit den Kindern durchführen, die Inhalte mit den unterrichtenden Lehrerinnen ab. Die Schülerinnen und Schüler werden spielerisch und mit Hilfe kleinerer Experimente an die Themen herangeführt und dafür sensibilisiert.

Dabei werden die Bereiche erarbeitet:

  1. Klima / Klimazonen. Hier lernen die Kinder das Wetter, Wetterfaktoren, Klima, Klimazonen, Anpassungen der Tier- und Pflanzenwelt an das Klima kennen. Im zweiten Teil geht es um die
  2. Atmosphäre und den natürlichen Treibhauseffekt. Die Frage, warum es bei uns auf der Erde Klima gibt und Tiere, Menschen und Pflanzen hier leben können wir geklärt. Abschließend kommen die Abläufe zum 
  3. Klimawandel. Was sind fossile Energieträger? Wie nutzen wir sie und was verursachen sie beim Klima (Klimawandel)?

Materialien

Hierzu wurden den Umweltpädagoginnen Julika Exner und Johanne Kiefer zwei aufwändig gestaltete „Wetterauer Klimakisten“ zusammengestellt.

Klimakiste für die Klimaexperten

Diese verbleiben nach der ersten Projektdurchführung in den Schulen und ermöglichen somit eine jährliche Wiederholung. In diesen Kisten sind Utensilien wie Kuscheltiere, eine Weltkarte und Bilder von Pflanzen und Tieren enthalten, um ein spielerisches Lernen zu ermöglichen. Entsprechend des bundesweiten Konzeptes „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ erschließen die Grundschülerinnen und Grundschüler die Zusammenhänge sowohl mit wissenschaftlichem Wissen, als auch mit Alltagswissen, lernen zugleich Methoden der Nachhaltigkeit kennen und machen dabei eigene Erfahrungen. Sowohl Ökonomie, Ökologie, Soziales als auch die kulturelle Dimension werden beim Erlernen der Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Klimaexperimente: Station 1 – Strom

 

Die Praxis

Gemeinsam mit den Studierenden der Beruflichen Schule Butzbach und Schülern der Johann-Philipp-Reis-Schule Friedberg findet der anschließende Praxisteil statt: Die „Ausbildung“ der Kinder zu Klimaexperten. Im Stationenzirkel werden in kleinen Experimenten die Bereiche

  • Beleuchtung (verschiedene Lampentypen, „Licht aus! in den Pausen),
  • Wärme/Heizen (Stoß- Dauerlüftung, regenerative Energiequellen) und
  • sorgsamer Umgang mit Strom (sachgerechte Nutzung elektrischer Geräte) aufbereitet.

Ein mit Fehlern gespickter Übungsraum sichert das Erlernte. Schnell erkennen die Kinder: auf der Heizung liegt eine Jacke, die Fenster sind gekippt, der Computer läuft. Sogar: „Auf der Heizung liegen Streichhölzer!“ Das gab einen Bonuspunkt.

Die abschließende Entdeckungstour durch die Schule führt in den Heizungskeller und zeigt, wie die Wärme produziert wird und wie sie in die Klassenräume kommt. Auf den Toiletten wird nach dem ewig laufenden Durchlauferhitzer und vielleicht auch dem immer tropfenden Wasserhahn gefahndet, der Windfang mit seiner Funktion besprochen. Dadurch lassen sich schnell energetische Schwachstellen aufdecken.

Einsparpotential

Bekanntlich gehen Energieexperten davon aus, dass durch das richtige Verhalten in den Schulen mit Energie, Wasser und Heizung bis zu 15 Prozent der Energiekosten eingespart werden könnten. Insgesamt gibt der Wetteraukreis rund 5,5 Millionen Euro für die Versorgung mit Heizung, Energie und Wasser an seinen 88 Schulen aus. Einsparpotenzial gibt es zu Hauf. Schöner Nebeneffekt: die nachweislich eingesparten Energiekosten kommen den einzelnen Schulen zu Gute!

Multiplikatoreneffekte

Neben dem Tatort Schule hat das Projekt auch noch eine zweite Zielrichtung: die Schülerinnen und Schüler nehmen als kleine Multiplikatoren das Erlernte in den privaten Bereich mit nach Hause und werde in Zukunft mit einiger Sicherheit auch dort für eine Sensibilisierung sorgen. Zudem festigen die Schulen durch das erhöhte Klimaschutzengagement ihre Vorbildfunktion.

Perspektiven und Ausweitung des Projekts

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Pilotphase mit drei Schulen in 2015 kamen in diesem Jahr sechs weitere hinzu. Insgesamt gibt es im Kreis 71 Grundschulen, also liegt ein großer Berg Arbeit noch vor dem Projektteam. Zu hoffen ist, dass die Arbeit fortgesetzt werden kann, was einerseits an der Bereitschaft der Schulen liegt, mehrere Schulen haben ihr Interesse am Projekt schon bekundet, sich dieser wichtigen Thematik zu widmen, andrerseits natürlich ein finanzielle Herausforderung darstellt. Wünschenswert wäre ja auch, dass die Ortsverbände das attraktive Angebot an den Grundschulen vor Ort bewerben. Das Projekt des Kreises und der Beratungsstelle für ökologische Bildung hat sich bewährt und wird nicht nur vom BUND KV Wetterau unterstützt. Zu nennen ist dort besonders das hessische Umweltministerium das im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie zehn Klimakisten finanzierte.

Das Feedback aus den Schulen war durchweg positiv. Zu hoffen ist, dass die Unterrichtseinheit Klimaexperten an Wetterauer Grundschulen sich im Schulprogramm nachhaltig verfestigt und jährlich in den dritten oder vierten Klassen durchgeführt wird. Dafür ist Werbung vor Ort notwendig. Vielleicht gibt es auch Interesse aus anderen Kreisen.

11. Oktober 2016

BUND Wetterau fördert kleine Klimaexperten

Wetterauer Grundschüler werden Klimaexperten
Wetterauer Grundschüler werden Klimaexperten

Energiesparen in Schulen und damit auch Reduzierung der Umweltbelastung – wer könnte da nein sagen? Als der Vorstand des Kreisverbandes von dem Projekt  „Klimaexperten im Wetteraukreis“ erfuhr, war die Neugier geweckt, um Informationen einzuholen.

BUND-Mitglied Gerd Joachim, der bei der Beratungsstelle für ökologische Bildung tätig ist, und dieses Projekt an Grundschulen mit ins Leben gerufen hatte, erläuterte die Inhalte. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler der 3. Klassen spielerisch an das Thema Klima, Klimawandel und Energie heranzuführen und zu sensibilisieren. Nach der Theorie sollen die Kids ihr erworbenes Wissen bei der Beleuchtung, dem Wasser und der Heizung in ihrer Schule anwenden, um Einsparmöglichkeiten zu finden. Realisieren die Schulen durch ein energieeffizientes Nutzerverhalten Einsparungen, kommen diese zu 100% der Schule zu Gute. Haken bei der Angelegenheit war allerdings, das Geld für das Projekt reichte nur für die Pilotphase. Im Kreisvorstand war man sich schnell einig, dass man diese Aktivität unterstützen sollte und spendete 12.500 € für diese gute Sache.

Anfang Oktober konnten sich dann die Vorstandssprecher des Kreisverbandes Jürgen Hutfiels und Dieter Kurth gemeinsam mit dem Chef der Sparkasse, die sich ebenfalls an der Finanzierung beteiligte und dem Landrat den Kindern der Grundschule Ockstadt vorstellen und sich von dem Angebot überzeugen.



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